EuroLeague-Format 2025/26: was 20 Teams für Wetten ändern

Das neue Format in einem Satz
Die EuroLeague hat zur Saison 2025/26 ihr Format spürbar umgebaut: mehr Teams, mehr Spieltage, ein neues Play-in vor den Play-offs. Für Wetten ist das keine kosmetische Änderung, sondern eine Verschiebung der Grundrechenarten – wer mit den alten Annahmen weiterwettet, rechnet mit einem überholten Modell.
Ich behandle dieses Thema rein faktologisch und aktuell, weil hier viele mit veraltetem Wissen unterwegs sind. EuroLeague-Chef Paulius Motiejunas hat den Anspruch hinter dem Umbau sinngemäß so beschrieben: Man habe etwas geschaffen, das sich nur schwer kopieren oder nachbauen lasse. In sieben Jahren habe ich gelernt, dass jede Formatänderung zuerst die Quoten verändert – und dass genau in dieser Übergangsphase, in der der Markt das Neue noch einpreist, die meisten Fehleinschätzungen entstehen.
20 Teams, 38 Spieltage, Play-in
Ein Leser fragte mich, ob „ein paar Teams mehr“ denn wirklich einen Unterschied für seine Wetten machten. Die Zahlen sagen eindeutig ja – und der Unterschied ist größer, als die schlichte Aufstockung vermuten lässt.
Konkret ist die Liga von 18 auf 20 Teams gewachsen, die Hauptrunde umfasst jetzt 38 statt zuvor 34 Spieltage. Die Qualifikationslogik ist neu: Nur die besten sechs Teams ziehen direkt in die Play-offs ein, die Plätze sieben bis zehn spielen in einem Play-in um die zwei verbleibenden Tickets. Die reguläre Saison läuft vom 30. September 2025 bis zum 17. April 2026, das Final Four findet im Mai 2026 im Telekom Center in Athen statt.
Jede dieser Zahlen hat eine konkrete Wettfolge. Mehr Teams bedeuten ein heterogeneres Feld mit größeren Stärkeunterschieden, also häufiger sehr hohe Handicap-Linien bei Klassenduellen. Vier zusätzliche Spieltage bedeuten mehr englische Wochen, mehr Reisebelastung und damit mehr Situationen, in denen Rotation und Müdigkeit den Ausgang prägen. Das Play-in schafft eine völlig neue Wettbühne: Spiele um die Plätze sieben bis zehn, in denen für das eine Team alles und für das andere nichts auf dem Spiel steht – eine Motivasymmetrie, die der Markt erst lernen muss zu bepreisen.
Besonders die Ausweitung des Felds verdient eine genauere Betrachtung, weil sie die Quotenlandschaft strukturell verändert. In einer Liga mit einer kleinen Spitzengruppe und einigen neuen oder schwächeren Teilnehmern treffen Topklubs öfter auf klar unterlegene Gegner. Das produziert nicht nur mehr Spiele mit hohen Favoritenquoten und entsprechend hohen Handicap-Vorgaben, sondern auch mehr Partien, in denen das überlegene Team früh führt und in der Schlussphase rotiert – mit allen bekannten Folgen für Enddifferenz und Gesamtpunkte. Wer sein mentales Modell noch auf das engere 18-Teams-Feld der Vorsaisons geeicht hat, unterschätzt systematisch, wie weit die Schere in einem 20-Teams-Wettbewerb auseinandergeht. Genau diese Neukalibrierung der eigenen Erwartung an Spreads und Spielverläufe ist die wichtigste Hausaufgabe in einer Übergangssaison – wichtiger als jede einzelne Personalie.
Dubai BC, ALBA-Abgang, Sponsorenende
Stell dir eine Liga vor, die im selben Jahr ihren ersten außereuropäischen Klub aufnimmt, ihren langjährigen Titelsponsor verliert und einen 24 Jahre lang etablierten Traditionsverein ziehen lässt. Genau das ist die EuroLeague 2025/26 – und jedes dieser Ereignisse hat eine Wettdimension.
Mit Dubai Basketball nimmt erstmals ein nicht-europäischer Klub teil, ausgestattet mit einer Wildcard über fünf Jahre. Für Wetten ist ein neuer Klub ohne lange EuroLeague-Historie ein Unsicherheitsfaktor: Die Datenbasis für faire Quoten ist dünn, was in den ersten Wochen sowohl Fehlbepreisungen als auch erhöhte Schwankung bedeutet. Zugleich ist es die erste Saison seit 2009/10 ohne Turkish Airlines als Titelsponsor – sportlich irrelevant für das einzelne Spiel, aber ein Zeichen für die wirtschaftliche Umbruchphase, in der sich der Wettbewerb befindet.
Besonders relevant für den deutschsprachigen Raum ist der Abgang von ALBA Berlin, das sich nach 24 Jahren aus der EuroLeague in die FIBA Basketball Champions League verabschiedet hat. Damit ist der FC Bayern München in der Saison 2025/26 der einzige deutsche EuroLeague-Klub. Für Wetten heißt das ganz praktisch: Die deutsche Aufmerksamkeit und damit ein Teil des Wettvolumens konzentriert sich auf einen einzigen Klub, was dessen Quoten stärker von heimischer Nachfrage beeinflussen kann – ein Faktor, den man beim Bespielen des deutschen Teams kennen sollte.
Dieser Konzentrationseffekt ist subtiler, als er klingt, und deshalb leicht zu unterschätzen. Solange zwei deutsche Klubs in der Liga waren, verteilte sich die heimische Wettnachfrage auf zwei Adressen. Mit nur noch einem deutschen Vertreter bündelt sich das öffentliche Interesse, die Medienberichterstattung und ein erheblicher Teil des inländischen Wettvolumens auf den FC Bayern. Eine starke einseitige Nachfrage auf ein Team kann dessen Quoten leicht unter den fairen Wert drücken, weil viele Wettende reflexhaft auf den bekannten heimischen Klub setzen und der Anbieter diese Nachfrage einpreist. Wer das deutsche Team bespielt, sollte dieses Stimmungselement bewusst von der sportlichen Einschätzung trennen – gerade bei einem Klub, dessen Spiele im deutschsprachigen Raum besondere emotionale Aufmerksamkeit genießen, ist die nüchterne Frage nach dem fairen Wert wichtiger als das Gefühl, das mit dem Namen mitschwingt.
Was das für Quoten und Märkte bedeutet
Die entscheidende Frage ist nicht, ob sich das Format geändert hat, sondern wo der Markt das Neue noch nicht sauber eingepreist hat – denn genau dort liegt in einer Übergangssaison der Wert.
Erstens verschieben mehr Teams und ein heterogeneres Feld die Handicap-Landschaft. Bei großen Klassenunterschieden werden sehr hohe Vorgaben häufiger; wer die alte Erwartung an typische Spreads beibehält, verschätzt sich systematisch. Zweitens erzeugen 38 statt 34 Spieltage mehr Belastungssituationen, in denen Rotation und Müdigkeit über Totals und Differenzen entscheiden – ein Vorteil für den, der Reisebelastung und englische Wochen ernster nimmt als der Durchschnitt. Drittens ist das Play-in ein neuer Markt mit eigener Logik, in dem Motivasymmetrie und Einzelspielcharakter dominieren, anders als in einer langen Serie.
Viertens, und über allem stehend: Die Skala bleibt EuroLeague-typisch. Auch im erweiterten Format enden Spiele meist mit einer Gesamtpunktzahl zwischen 150 und 170, nicht im NBA-Bereich von 210 bis 240. Wer das neue Format mit einer falschen Punktskala kombiniert, verstärkt seinen Fehler über 38 statt 34 Spieltage. Mein faktologischer Standpunkt: Eine Formatänderung ist vor allem eine Einladung, eingefahrene Annahmen zu überprüfen, nicht sie zu verteidigen. Der Teil des neuen Wegs zum Titel, der die größte eigene Logik hat – die Play-offs nach Haupt- und Play-in-Runde – verdient dabei besondere Aufmerksamkeit; wie diese Serienphase wettlogisch funktioniert, beschreibe ich dort, wo es um EuroLeague-Playoff-Wetten geht. Das Modell 2025/26 belohnt den, der die neuen Zahlen ernst nimmt, und bestraft den, der mit dem alten Format im Kopf weiterwettet.
Format-Detailfragen
Zwei Fragen zum neuen Format erreichen mich besonders oft – beide betreffen die konkreten Wettfolgen.
Wie wirkt sich das Play-in auf Langzeitquoten aus?
Es erhöht das Ausscheidungsrisiko für Teams im erwarteten Mittelfeld. Nur die besten sechs Teams ziehen direkt in die Play-offs ein, die Plätze sieben bis zehn müssen den Umweg über das Play-in um zwei Tickets nehmen. Eine Langzeitwette auf den Titel oder eine Play-off-Teilnahme trägt damit eine zusätzliche, oft nicht voll eingepreiste Hürde: Ein Team kann eine starke Hauptrunde spielen und an einem einzigen schlechten Play-in-Abend scheitern. Wer auf ein Mittelfeldteam langfristig setzt, sollte dieses zusätzliche Risiko bewusst einkalkulieren.
Bedeuten 38 statt 34 Spieltage automatisch mehr Wettmärkte?
Mehr Spiele bedeuten zunächst schlicht mehr Gelegenheiten, nicht zwangsläufig neue Markttypen. Die eigentliche Veränderung liegt in der Charakteristik: Vier zusätzliche Spieltage erzeugen mehr englische Wochen, mehr Reisebelastung und mehr Situationen, in denen Rotation und Müdigkeit Totals und Differenzen prägen. Für den Wettenden heißt das weniger neue Märkte als vielmehr mehr Spiele, in denen Belastungs- und Motivfaktoren entscheidend werden – ein Vorteil für den, der diese Faktoren konsequenter gewichtet als der Durchschnitt.
Erstellt vom Redaktionsteam „Basketball Euroleague Wetten”.
